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Die Gore-High-School

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Schulpartnerschaft

Schulgeschichte:

Die Errichtung und der Ausbau der Gore-High-School ist eng verbunden mit der Geschichte der Stadt Gore. Diese Stadt liegt in der Illu Abbaa Booraa Region, ca. 620 km von Addis Abeba entfernt und ist eine wichtige Stadt im Westen des Landes. Von Bedeutung war, dass England im Jahre 1901 eine Handelsroute von Gambella nach Gore errichtete. Von da an wurde Gore ein lebensnotwendiges Handelszentrum für Gambella, Jimma, Nekemt und Addis Abeba. Folglich gab es dort sehr viele „Zuwanderer” aus verschiedenen Ländern, die vom Handel in der Stadt lebten. Aus diesem Grund könnte es sein, dass Gore schon zur Regierungszeit von Menelik II wichtige Einrichtungen, wie Telefon-, Bank- und Postdienst bekam. Deshalb war Gore, trotz seiner großen Entfernung vom Zentrum des Landes, am meisten privilegiert, die Grundlagen für ein modernes Schulsystem zu schaffen.

Die erste moderne Schule in der Stadt Gore wurde schon in den Zwanzigerjahren errichtet, und sie war der Grundstein für die heutige Gore-High-School. Die Schule wechselte dann dreimal den Standort, bevor sie während der siebenjährigen italienischen Besetzung einen festen Platz fand.

Unmittelbar nach der Befreiung begann die äthiopische Regierung, Schulen wieder herzustellen, und so wurde die Gore-High-School unter dem Namen „Haile Sellassie, The First School” im Jahre 1942 wieder eröffnet. Der Name wurde dann während des Derg - Regimes auf "Gore School” abgeändert. Sie war eine “Elementary School” bis 1957, und die "Secondary classes” begannen 1958. Diese Schule war bis zum Beginn der Siebzigerjahre die einzige “High School” in der Region Illubabor, und sie lieferte einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der modernen Erziehung in Äthiopien.

Trotz ihrer glorreichen Vergangenheit wurde die Schule bis 1994 nie renoviert. Die vollständige Renovierung der Schule lag nämlich jenseits der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde, da die Gebäude Risse aufwiesen und in einem desolaten Zustand waren, der einen geregelten Unterricht fast nicht mehr erlaubte. So waren z.B. alle Klassen ohne Fenster und Türen. Während man fieberhaft versuchte, Geldmittel aufzutreiben, kam die Gemeinde auf die Idee, MfM um Hilfe zu bitten.

Die Vertreter der Gemeinde trafen Herrn Böhm am 26. Dezember 1992 und baten ihn um Hilfe. Dann ging alles sehr schnell. Karlheinz Böhm kam zu Besuch und machte sich ein Bild von dem erschütternden Zustand der Schule. An diesem Tag regnete es, und das Wasser tropfte durch die kaputten Wellblechdächer. Viele Schüler mussten auf dem Boden sitzen, weil einfach keine Schulmöbel vorhanden waren. Einige Fensterscheiben, die zerbrochen waren und nicht ausgetauscht werden konnten, waren notdürftig mit Papier verklebt - in vielen Klassen gab es nicht einmal eine Tafel - geschweige denn Bücher und Schreibmaterial. Der bauliche Situation war einfach unvorstellbar.

Es wurde beschlossen, dass MfM drei Viertel der Renovierungskosten für 29 Klassenzimmer übernimmt und dass die Gemeinde das restliche Viertel aufzubringen hat. Bei der Feier, die anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Schule vom 7. bis 9. Mai 1993 stattfand, wurden auch die früheren Studenten um finanzielle Unterstützung gebeten. Dank der großzügigen Hilfe der ehemaligen Schüler, sowie vieler Spender und Spenderinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz konnte schon bald danach mit den Arbeit begonnen werden:

Alte Gebäude, wissenschaftliche Labors, Bibliothek und Amtsräume des Direktors wurden renoviert, Aufenthalts- und Erholungsräumen wurden geschaffen, neue Gebäude wurden gebaut, funktionsfähige Schulmöbel wurden geliefert, etc.

Doch Menschen für Menschen hat die Schule nicht nur finanziell unterstützt, sondern es wurden auch verschiedene Projekte begonnen, damit Schüler für praktische Berufe ausgebildet werden können.

Derzeit besuchen ca. 2000 Kinder die High-School, die sich insgesamt auf 34 Klassen verteilen. Die hohen Klassenschülerzahlen (über 60) zwingen die Lehrer dazu, den Unterricht in zwei Schichten zu je 6 Stunden abzuhalten.

Schulbesuch - Zugang zu Bildung:

Auch wenn unsere Bildungssysteme zusehends an die Grenzen der Finanzier- und Machbarkeit stoßen, so ist der Besuch einer Schule und der Zugang zu Bildung in unseren Breiten immer noch eine weitgehende Selbstverständlichkeit.

In einem armen Land wie Äthiopien ist der regelmäßige Schulbesuch, sogar in einer schlecht eingerichteten Schule, eine Chance, die nur wenige längerfristig wahrnehmen können, besonders in den ländlichen Gebieten. Denn viele Kinder können die Schule nur zu kurz besuchen, um wirklich etwas zu lernen. Die meisten müssen ihren Eltern zu Hause helfen, um zum ohnehin kargen Lebensunterhalt der Großfamilie beizutragen. Manche Kinder und Jugendliche müssen mehrstündige Schulwege auf sich nehmen, weil es in ihrer Nähe überhaupt keine Möglichkeit für den Schulbesuch gibt.

Da die meisten Schulen in Äthiopien in baufälligem Zustand sind, über veraltete oder gar keine Unterrichtsmittel und Bücher verfügen, und außerdem mit hohen Schülerzahlen und Lehrermangel zu kämpfen haben, ist der Ausbau und die Ausstattung von Schulen ein zentrales Anliegen der Kinder- und Jugendarbeit von MfM.

Dabei ist es auch besonders wichtig, an der Überarbeitung der Lehrpläne mitzuwirken. Denn neben den regulären Schulfächern ist der praktische und anschauliche Unterricht in neuen ökologischen Landwirtschaftsmethoden von größter Wichtigkeit, da ca. 82.5% der äthiopischen Bevölkerung Bauern sind und die meisten Schulabsolventen später in der Landwirtschaft tätig sein werden, wo sie das erworbene Wissen praktisch anwenden sollten, um ihre eigene Lebenssituation zu verbessern und die Umwelt zu schonen.